Hin zu einer zukunftsfähigen Bildung durch Beziehungsarbeit
Hin zu einer zukunftsfähigen Bildung durch Beziehungsarbeit
Luftballons in den Farben von Summa, ein Stück Schokoladenkuchen für alle und rosa Dekorationen. Das Auditorium der Summa-Universität in der Sterrenlaan 4 in Eindhoven war am Donnerstag, dem 16. Juni, festlich geschmückt. Und das völlig zu Recht, denn die neue Professur „Beziehungsorientiertes Arbeiten in einer Bildungsorganisation“ wurde ins Leben gerufen.
Moderator Leon van der Zanden fesselte den vollbesetzten Saal mit über 120 Zuhörern sofort mit seiner Begeisterung. Ein Video des ehemaligen Schülers Jos wurde gezeigt, der über seinen Lernweg und seine Träume sprach. „Mit sechs Jahren wurde mir in der Schule gesagt, Lesen und Schreiben würden mir nicht viel bringen. Ich wollte ihnen das Gegenteil beweisen und gab alles, um meine Ziele zu erreichen.“ Er absolvierte schließlich zwei Berufsausbildungen und arbeitet heute mit Freude als Arbeitsplaner bei einem innovativen Bauunternehmen.
den anderen sehen
Die Therapeutin Jenny Zwijnenburg führte dieses Beispiel in ihrem Vortrag näher aus: „Schon in jungen Jahren wurde Jos beurteilt, wahrscheinlich aufgrund seiner Testergebnisse. Seine Grundschullehrerin erkannte offenbar seine Beharrlichkeit nicht. Hätte man Jos damals genauer beobachtet, hätte man gesehen, dass er ein Kind war, das hart arbeiten wollte, um seine Träume zu verwirklichen. Und dass er Menschen um sich hatte, die ihn dabei unterstützten.“
Was sie damit sagen will: Man kann sich in den Zahlen verlieren und dabei den Menschen aus den Augen verlieren. Und genau darum geht es beim beziehungsorientierten Unterricht. „Den anderen Menschen wahrzunehmen ist so wichtig, wenn man guten Unterricht bieten will. Nur wenn man sich wirklich auf jemanden einlässt. Wenn man einen Schüler oder eine Schülerin wirklich kennt, weiß man als Lehrkraft, wie man ihn oder sie am besten unterstützen kann. Das geschieht auf der Grundlage der Beziehung, die man aufgebaut hat“, erklärt Jenny.
Zukunftssichere Bildung: Fokus auf Beziehungen und Talente
Beziehungsorientiertes Arbeiten wird bei Summa bereits an vielen Stellen aktiv praktiziert – bewusst wie unbewusst. Zunächst werden die Praktiker Jenny Zwijnenburg und Hans Panjoel die aktuellen Praktiken erfassen. Dies tun sie gemeinsam mit verschiedenen beteiligten Kollegen aus der gesamten Organisation. Das von Summa veröffentlichte Buch „In Verbinding“, das über die erste Studie des Praktikerprogramms berichtet, ist ein Beispiel dafür. In dieser Studie wird beziehungsorientiertes Arbeiten anhand von dreißig Geschichten von Mitarbeitenden aus dem Bildungsbereich untersucht. Das Praktikerprogramm nutzt Aktionsforschung, um sowohl Erkenntnisse zu gewinnen als auch Verbesserungen zu erzielen. Sobald die aktuellen Praktiken erfasst sind, konzentriert sich die Folgeforschung auf die Frage, wie beziehungsorientiertes Arbeiten auf allen Ebenen der Organisation weiter gestärkt werden kann. Dies erfordert Engagement von den Mitarbeitenden im Bildungsbereich, aber auch Veränderungen in Systemen und Strukturen sind unerlässlich. Denn diese können den eigentlichen Zweck der Bildung erheblich beeinträchtigen. Studierende sind aktiv in die Forschung eingebunden, beispielsweise in die Forschung zu Diversität und Inklusion innerhalb der Organisation.
Die Professur unterstützt Summa beim Wandel zu einer werteorientierten Organisation und bei der Verwirklichung der in ihrem Strategieplan „Summa2025“ formulierten Vision. Summa ist in diesem Prozess ein Ort der Begegnung – eine offene Lerngemeinschaft, in der Fehler erlaubt sind und man wachsen kann. Hier kann man sich selbst entdecken und seinen eigenen Weg gehen. So können wir Studierende optimal dabei unterstützen, ihre nächsten Schritte als Individuen zu gehen und einen wertvollen Platz in der Gesellschaft zu finden.
Henk Slagt, Vorstandsmitglied von Summa, teilte ebenfalls seine Vision für eine zukunftsfähige Bildung: „Ich stelle mir eine Zukunft vor, in der wir nicht mehr über Diplome und Bildungsabschlüsse sprechen, sondern über Talente. Derzeit wird der Bildungserfolg eines Schülers noch zu stark von den Fächern bestimmt, in denen er die schlechtesten Noten erzielt. Konzentrieren wir uns auf die positiven Aspekte.“
Eine wunderschöne Botschaft, die Summas Veränderungswillen verdeutlicht. Summa ist übrigens nicht die einzige an der Kooperation beteiligte Person; auch die Stichting Presentie trägt zur Forschung bei. Sie verfügt über mehr als zwanzig Jahre Erfahrung in der Beziehungsarbeit, insbesondere im Gesundheitswesen. Zur Einweihung dieser Zusammenarbeit wurde kein Band im traditionellen Sinne durchschnitten. „Das symbolisiert die Eröffnung von etwas Neuem. Wir wollen aber eine Verbindung herstellen, deshalb verknüpfen wir zwei Bänder.“
Aufmerksame Beteiligung
Die Beziehung zwischen Lehrkraft und pädagogischer Fachkraft ist nicht der einzige Fokus von Summa. Veränderungen sind im gesamten Bildungswesen notwendig. Lisette Bastiaansen ist Forscherin, Autorin und Pädagogin. Ihr Vortrag konzentrierte sich auf die Anwendung beziehungsorientierter Arbeit im Bildungsbereich. Indem sie ihre verletzliche Seite zeigte, gewann sie die Sympathie des Publikums. Es war kein langweiliger Vortrag über – in ihren Worten – „Theorien männlicher Pädagogen, die inzwischen verstorben sind und keine eigenen Kinder haben“, sondern eine konkrete Anwendung der Theorie. „Wir sind aus dem Gleichgewicht geraten, wenn es darum geht, Erwartungen zu formulieren und anderen echte Aufmerksamkeit zu schenken. Wie selbstlos ist Ihre Aufmerksamkeit? Wann ist die Beziehung im Gleichgewicht zwischen Liebe und Grenzen?“ Diese zum Nachdenken anregenden Fragen wurden den Teilnehmenden sogar mitgegeben und mit einem Band versehen.
Workshops
Anschließend fanden in vier Gebäuden acht Workshops statt, die alle von Kollegen zu verschiedenen Themen geleitet wurden. Gemeinsamer Nenner war dabei der Beziehungsaspekt in der Bildung. Der Workshop „Traumasensible Pädagogik“ gab Einblicke in die Erfahrungen traumatisierter Schüler im Schulalltag. Die Teilnehmenden bliesen einen Ballon auf und schlossen die Augen. Die Lehrkräfte Kees und Roos gingen mit einem rasiermesserscharfen Nagel herum und erzählten eine Geschichte über … Ja, wie hieß sie noch gleich? Die Teilnehmenden waren so besorgt, dass ihre Ballons platzen könnten, dass sie dem Inhalt kaum zuhörten. Der Workshop „Präsenzorientierte Pädagogik“ bot Beispiele und Tipps für beziehungsorientiertes Arbeiten in der Praxis. Ein Workshop zu „Diversität und Inklusion“ führte die Teilnehmenden in die Welt bewusster und unbewusster Vorurteile, inklusiver Führung und Instrumente für eine inklusivere Schule ein.
Der Nachmittag klang mit einem Vortrag von Andries Baart, dem Begründer der Präsenztheorie, aus. Er lobte Summa für die Entwicklung dieses Fortbildungsprogramms für Beziehungsarbeit, das als erstes seiner Art in den Niederlanden gilt. Anschließend gab es einen Umtrunk, bei dem alle Teilnehmenden eine ansprechend gestaltete Broschüre mit Informationen zur Beziehungsarbeit und Erfahrungsberichten von Lehrkräften, Teamleitern, Betreuern und anderen pädagogischen Fachkräften erhielten. Ein gelungener Abschluss eines inspirierenden Nachmittags.