„Ein einziger Sprachtest entscheidet nun über meine Zukunft.“
Als Lena Sclifos (31) von Spanien in die Niederlande zog, suchte sie nach Ruhe, Stabilität und neuen Chancen. Im Ingenieurprogramm von Summa International fand sie beides. Sie arbeitete hart, schloss ihre technischen Fächer erfolgreich ab und machte schnell Karriere in der Brainport-Region. Nur eines fehlt noch: ihr Diplom. Lena hat die niederländische Sprachprüfung auf Niveau 3F noch nicht bestanden. Und das ist ein großes Problem, denn ohne diese Prüfung bleibt ihr Berufsabschluss unerreichbar.
Von Spanien nach Brainport
Lena wuchs in Spanien auf, wo sie im Gesundheitswesen gearbeitet hatte. „Ich wollte Kriminologie studieren, aber aufgrund meiner Vorbildung war mir das nicht möglich. Ich hatte das Gefühl, ständig gegen eine verschlossene Tür zu rennen.“ Während eines Urlaubs in den Niederlanden im Jahr 2016 lernte sie ihren damaligen Freund kennen und beschloss auszuwandern. „Anfangs vermisste ich meine Familie sehr und hatte wegen der Sprache Schwierigkeiten, mich zu integrieren. Aber ich sah auch Potenzial.“
Durch ihren Freund kam sie mit Technologie in Berührung. „Mir eröffnete sich eine völlig neue Welt. Ich entdeckte, dass ich etwas bauen und erschaffen konnte.“ Sie entschied sich für das damals englischsprachige Programm Summa International Engineering. „Es hat sich sofort richtig angefühlt. Viel praktische Arbeit, echte Projekte und die Zusammenarbeit mit Unternehmen. Das passte perfekt zu mir.“
Eine Karriere bei Brainport
Während ihres Studiums hatte Lena die Möglichkeit, bei Prodrive zu arbeiten. Das erwies sich als der Beginn einer erfolgreichen Karriere. Heute arbeitet sie als Fertigungsingenieurin bei Webabricate, mitten im Brainport-Gebiet. „Ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe. Ich arbeite in internationalen Teams und trage zu innovativen Projekten bei. Die Niederlande haben mir Ruhe und Stabilität geschenkt.“
Doch dieser Frieden ist nun bedroht. Lena konnte ihre Berufsausbildung (MBO) nie offiziell abschließen, da sie die obligatorische Niederländischprüfung auf Niveau 3F noch nicht bestanden hatte. Dieses Niveau entspricht dem Abitur (HAVO) und ist für alle Schüler der MBO-Stufe 4 erforderlich.
Ein hoher Preis für Sprache
Die Folgen sind gravierend. Wenn Lena die Prüfung nicht vor 2028 besteht, verliert sie ihren Anspruch auf den Studienabschluss und muss ihren Studienkredit an DUO zurückzahlen – der sich auf Zehntausende Euro beläuft. „Das ist stressig“, sagt sie. „Ich habe alle anderen Fächer bestanden, arbeite Vollzeit im Technologiebereich, engagiere mich bei Brainport, aber jetzt entscheidet eine einzige Sprachprüfung über meine Zukunft.“
Sie versteht, warum Sprache wichtig ist, sieht aber auch, dass der aktuelle Standard nicht immer der Praxis entspricht. „Viele internationale Berufsschüler empfinden die Sprachvoraussetzung 3F als unverhältnismäßig hoch. Nach Jahren des Lebens und Arbeitens in den Niederlanden merke ich, dass ich Niederländisch auf diesem hohen Niveau im Alltag kaum benötige. Ich spreche Englisch bei der Arbeit und mit Freunden. Ich kann mich gut auf Niederländisch ausdrücken; ich beherrsche die Grundlagen, aber es motiviert mich nicht, die Sprachprüfung abzulegen, wenn dieses Niveau in der Praxis selten vorkommt. Ich denke, es wäre sinnvoll, flexiblere Wege zu prüfen, die es internationalen Studierenden ermöglichen, weiter zu lernen und einen Beitrag zu den Niederlanden zu leisten.“
Dieser Kontrast ist frappierend: An Fachhochschulen und Universitäten (WO) gibt es für internationale Studierende keinen solchen obligatorischen Sprachtest; sie können ihr gesamtes internationales Studium absolvieren, ohne Niederländisch auf diesem Niveau zu beherrschen.
Summa befürwortet das Umkehrschema.
Summa engagiert sich gemeinsam mit dem MBO-Rat und anderen Berufsbildungseinrichtungen für das sogenannte Umkehrprogramm. Dieses Programm ermöglicht es internationalen Studierenden, für die Niederländisch eine neue Sprache ist (NT2-Studierende), Niederländisch auf Niveau 2F zu absolvieren, wenn sie eine andere Sprache – wie beispielsweise Englisch oder Deutsch – auf einem höheren Niveau beherrschen.
Ein solches Programm verhindert, dass talentierte internationale Studierende aufgrund von Sprachvoraussetzungen, die nicht mit ihrem Lebens- und Arbeitsumfeld übereinstimmen, auf Probleme stoßen. Summa ist der Ansicht, dass politische Maßnahmen Talente nicht ausbremsen sollten, insbesondere nicht in einer Region wie Brainport, wo internationale Zusammenarbeit und Mehrsprachigkeit gerade die Stärken der Berufsausbildung und der Wirtschaft ausmachen.
Durchhalten
Trotz des Drucks bleibt Lena optimistisch. Sie hat ihren Niederländischunterricht bei Summa wieder aufgenommen und bereitet sich auf die Prüfung vor. „Ich versuche, das als Chance zur Weiterentwicklung zu sehen. Ich möchte hierbleiben, arbeiten und vielleicht eines Tages mein eigenes Unternehmen gründen. Die Niederlande sind meine Heimat geworden, und das soll auch so bleiben.“